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Wie viel Eiweiß braucht der Mensch? |
| Dass Eiweiße - ebenso wie Kohlenhydrate und Fette - zu den wichtigsten Nährstoffen und Energielieferanten unseres Lebens gehören, ist heute allgemein bekannt. Doch wissen Sie, wie viel Eiweiß unser Körper wirklich benötigt? Selbst unter Ernährungswissenschaftlern und Stoffwechselexperten herrscht Uneinigkeit. Sowohl die Ansicht: "Fleisch (enthält viel Eiweiß) muss sein!" als auch "Eiweiß macht krank!" ist zu hören. Was das richtige Maß ist und warum eine Unter- aber auch Überversorgung der Gesundheit schaden kann, wollen wir im folgenden beleuchten. |
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Eiweiß, ein wichtiger Lebensbaustein |
| Eiweißstoffe (Proteine) erfüllen wichtige Aufgaben im Organismus, zum Beispiel als Bestandteil der Zellen sowie von Hormonen und Enzymen. Der Begriff Protein lässt sich mit "die Wichtigsten" übersetzen. Gemeint ist damit, dass ohne Eiweißsubstanzen kein Leben möglich ist. Und ein Mangel an diesem elementaren Stoff zeigt sich am schnellsten und deutlichsten. Deshalb litten die Menschen in Zeiten, in denen kaum Nahrung vorhanden war, meist vor allem am Eiweißmangel. Der natürliche Schluss daraus war lange: je mehr Eiweiß, desto besser! | |
| Der Eiweißbedarf wird oft überschätzt | |
| Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute herrscht eher
ein Überangebot an Nahrung als ein Mangel. Um ausreichend mit dem
wichtigen Lebensbaustein versorgt zu sein, empfiehlt die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung (DGE) heute 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm
Körpergewicht täglich. Ein Mensch mit 70 Kilogramm braucht also „nur“
56 Gramm Protein am Tag. Untersuchungen zeigen jedoch, dass der
Durchschnittsbundesbürger fast die doppelte Menge verzehrt. Dabei
enthält die Empfehlung der DGE sogar bereits einen Sicherheitszuschlag
für niedrige Protein-Qualität und für einen individuellen Mehrbedarf,
zum Beispiel bei Stress. Auch sportliche Aktivität und zunehmendes
Alter erhöhen den Bedarf nicht. Die folgende Tabelle und die Beispiele zeigen, dass mit der üblichen, fleischreichen Kost eher zu viel und schon mit einer vegetarischen Speisenzusammenstellung ausreichend Eiweiß aufgenommen wird. |
| Protein- bzw. Eiweißgehalt in Lebensmitteln (pro 100 g): | ||
| Erdnüsse | 26 g | |
| Edamer, 40 % F.i.T. | 24 g | |
| Linsen | 24 g | |
| Rindfleisch mager | 22 g | |
| Schweinefleisch mager | 19 g | |
| Seelachsfilet | 19 g | |
| Hühnerei | 14 g | |
| Magerquark | 14 g | |
| Haselnüsse | 14 g | |
| Cornflakes | 8 g | |
| Vollkornbrot | 8 g | |
| Reis | 7 g | |
| Vollmilch und Joghurt | 4 g | |
| Sahne | 2 g | |
| Kartoffeln | 2 g | |
| Obst und Gemüse | 0-2 g | |
| Beispiel: Eiweißaufnahme pro Tag bei fleischhaltiger Kost: |
Beispiel: Eiweißaufnahme pro Tag bei vegetarischer Kost |
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| Frühstück und Zwischenmahlzeit: |
Frühstück und Zwischenmahlzeit |
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| 1 Weißmehlbrötchen 3 g | 30 g Früchtemüsli 4 g | |
| 10 g Butter 0 g | 200 ml Vollmilch 8 g | |
| 10 g Marmelade 0 g | 1 Apfel 0,5 g | |
| 1 Scheibe Käse 8 g | ||
| 150 g Fruchtjoghurt 6 g | ||
| Mittagessen und Zwischenmahlzeit: |
Mittagessen und Zwischenmahlzeit |
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| 150 g Schweineschnitzel 31 g | 50 g (Rohgew.) Vollkornreis 5,5 g | |
| 160 g Kartoffeln 3 g | 200 g Champignons 6 g | |
| 150 g Blumenkohl 3 g | 30 g Parmesan 11 g | |
| 30 g Kekse 3 g | 30 g Kekse 3 g | |
| Abendessen | Abendessen | |
| 2 Scheiben Brot (60 g) 5 g | 2 Scheiben Vollkornbrot 5 g | |
| 15 g Butter 0 g | 15 g Butter 0 g | |
| 50 g Käse 12 g | 30 g Camembert 7 g | |
| 30 g Salami 6 g | 30 g Hartkäse: 7 g | |
| 2 Essiggurken 0,5 g | ||
| Gesamt: 80,5 g | Gesamt: 57 g |
Proteine – aus Einzelbausteinen aufgebaut |
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| Ähnlich wie ein Haus aus vielen Ziegelsteinen erbaut ist,
setzen sich Proteine aus den so genannten Aminosäuren zusammen.
Pflanzliches, tierisches und menschliches Eiweiß unterscheiden sich in
der Mischung der einzelnen Aminosäuren. Während des
Verdauungsprozesses zerlegt der Organismus die Fremdproteine der Nahrung
in ihre Einzelteile. Anschließend werden die Aminosäuren nach dem
menschlichen Bauplan in körpereigene Proteine zusammengefügt. Der
Mensch nimmt diese Bausteine nicht nur über die Nahrung auf. Er ist in
der Lage, sie, mit Ausnahme von neun Aminosäuren, selbst herzustellen.
Diese neun Eiweißbausteine gelten als unentbehrlich (essentiell) und
müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Je mehr die Zusammensetzung des Nahrungsproteins dem des Organismus gleicht, desto besser kann er das Eiweiß verwerten und desto höher ist dessen so genannte biologische Wertigkeit. |
| Biologische Wertigkeit von Proteinen: | ||
| Menschliches Eiweiß: | 100 % | |
| Milch | 91 % | |
| Rindfleisch | 87 % | |
| Emmentaler | 85 % | |
| Huhn | 83 % | |
| Hering | 81 % | |
| Hühnerei | 81 % | |
| Sojabohnen | 76 % | |
| Kartoffeln | 67 % | |
| Vollkornreis | 64 % | |
| Grüne Bohnen | 63 % | |
| Weizenvollkornmehl | 45 % | |
| Möhren | 36 % | |
Auch Vegetarier erhalten genug Eiweiß |
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| Vegetarier bekommen oft den Satz zu hören: „Du leidest
bestimmt unter Eiweißmangel!“ Die oben stehende Tabelle zeigt, dass
aus pflanzlichem Protein weniger Körpereiweiß hergestellt werden kann
als aus tierischem. Dies sollte jedoch nicht zu dem Schluss führen,
dass pflanzliche Proteine minderwertig sind. Durch Kombination
verschiedener Eiweißträger lässt sich die biologische Wertigkeit
sowohl von pflanzlichen als auch von tierischen Proteinen steigern. Als optimale Eiweißkombinationen gelten: |
| Tipp: Bei Gerichten mit Getreide und Hülsenfrüchten öfter mal Nüsse oder Sonnenblumenkerne darüber streuen. | |||||||
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Vegetarier, die sich von pflanzlichen Lebensmitteln, kombiniert mit Ei und/oder Milchprodukten ernähren, leiden deshalb keinen Mangel. Selbst eine rein pflanzliche Ernährungsweise (vegan) sichert bei guter Zusammenstellung Erwachsenen ausreichend Proteine. Eine Mahlzeit, bestehend aus 52 Prozent Bohnen und 48 Prozent Mais ergibt eine biologische Wertigkeit von 101 Etwas schwieriger gestaltet sich die Eiweißversorgung für Rohköstler, da Gemüse und Obst wenig Eiweiß enthalten und zudem pflanzliches Protein schlechter verwertet werden kann. Hierbei gilt die dringende Empfehlung, gründlich zu kauen. Eiweiß in pflanzlichen Zellen ist von einer zellulosehaltigen Hülle umgeben. Wird das Gemüse unzureichend gekaut, ist es dem menschlichen Verdauungssystem nicht möglich, die Proteine optimal zu verwerten. Ferner ist es wichtig, eiweißreiche Nüsse und Samen sowie gekeimtes Getreide mit in den Speiseplan einzubeziehen. In Industrienationen spielt die biologische Wertigkeit aufgrund der Vielfalt des Nahrungsangebotes eine untergeordnete Rolle. Dagegen kann in Entwicklungsländern mit geringer Eiweißzufuhr die optimale Kombination von Eiweißträgern Leben retten. |
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| Sowohl zu wenig als auch zu viel Eiweiß ist problematisch | |||||||
| Eine dauerhafte Unterversorgung mit Eiweiß äußert sich
unter anderem durch Ermüdung, Verlust an Muskelmasse,
Wasseransammlungen (Hungerödem) und einer verminderten Leistung des
Immunsystems. Hierzulande kann es nur bei sehr extremen Diäten sowie
bei bestimmten Erkrankungen (zum Beispiel Leberfunktionsstörungen,
Darmerkrankungen) zu einem Proteinmangel kommen. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass auch ein Zuviel an Eiweiß die Gesundheit des Menschen beeinträchtigt. Durch eine länger anhaltende eiweißreiche Kost kann der Harnsäurespiegel im Blut ansteigen. Die Folge ist Gicht. Außerdem begünstigt eine hohe Proteinzufuhr Osteoporose, denn je mehr Eiweiß aufgenommen wird, desto mehr Kalzium scheiden die Nieren aus. Der für die Knochen wichtige Baustoff geht damit verloren und fördert zudem die Bildung von Nierensteinen. Eine proteinreiche Ernährung belastet zusätzlich die Nieren, da sie die Stoffwechselendprodukte des Eiweißstoffwechsels ausscheiden müssen. Einige Naturheilkundler sehen zudem einen Zusammenhang zwischen einer Proteinüberversorgung und der Entstehung von rheumatischen Erkrankungen, wie Arthritis. Auch sind Eiweiße oft ursächlich für Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. (Lesen Sie hierzu unseren Beitrag "Allergien auf der Spur: Das Immunsystem verstehen und erfolgreich beeinflussen") |
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| Aufgaben der
Proteine im Organismus: |
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Eiweißspeicherkrankheiten |
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| Der Arzt Prof. Lothar Wendt prägte den Begriff der "Eiweißmast".
Mit seinen Untersuchungen stellte er fest, dass der Körper des Menschen
Eiweiß in den Zellzwischenwänden speichern kann. Dies führt zu einer
Verdickung der Membran der kleinen Blutgefäße und ist damit, laut
Wendt, eine Ursache unserer typischen Zivilisationskrankheiten wie
Arteriosklerose, Herz- Kreislauferkrankungen oder Altersdiabetes. Der
Arzt geht davon aus, dass vor allem ein Zuviel an tierischem Eiweiß
aufgrund der hohen biologischen Wertigkeit zur Verschlackung des
Menschen beiträgt. Aus pflanzlichem Protein kann der Körper weniger
Eigeneiweiß aufbauen, das abgelagert werden kann. Diese
Untersuchungsergebnisse wurden allerdings wissenschaftlich nie anerkannt
– aber auch nicht widerlegt. Einig ist sich die Wissenschaft jedoch
darüber, dass sich ein Zuviel an Fleisch ungünstig auf die Gesundheit
des Menschen auswirkt. Ob dies nun an dem darin enthaltenen großen
Anteil an Eiweiß, Fett oder anderen Begleitstoffen, wie Harnsäure
liegt, ist für den Verbraucher letztendlich nicht ganz so wichtig. Das
Resultat mündet stets in der Empfehlung: Weniger Fleisch und mehr
Gemüse, Kartoffeln sowie Getreideprodukte essen! |
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| Ernährungstipps: |
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Gesunde Menschen – trotz geringer Eiweißaufnahme |
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| Dass auch eine Kost mit einem geringen Gehalt an Eiweiß
die körperliche Fitness unterstützt, zeigen Untersuchungen in den 40er
Jahren des letzten Jahrhunderts in Mittelamerika. Das Volk der
Tarahumara, das in Mexiko lebt, ernährte sich zu dieser Zeit
überwiegend von Mais, Bohnen und einer spinatähnlichen Pflanze. Nur
gelegentlich gab es eine Fleischspeise, Milchprodukte sogar gar keine.
Trotzdem waren diese Menschen durchaus in der Lage, mehrere Stunden ohne
Pause durch eine gebirgige Gegend zu laufen, weil ihre Kost zwar
eiweißarm aber mit einer hohen biologischen Wertigkeit war. Fazit: Gerade bei einem so wichtigen Nährstoff wie dem Eiweiß gilt es, das rechte Maß zu finden. Und auch pflanzliches Eiweiß kann mit einer hohen biologischen Wertigkeit den Eiweißbedarf decken, ja sogar gesünder sein, da pflanzliche Kost in der Regel in Kombination mit ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen auftritt – Stoffe, die tierischem Eiweiß fehlen. Die richtige Empfehlung für die Proteinaufnahme läßt sich deshalb durch einen modernen Slogan auf einen Nenner bringen: Klasse statt Masse! |
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Karin Possin |
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Literaturtipps:
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| Zur
Autorin: Die Ernährungswissenschaftlerin und Buchautorin Karin Possin gibt seit vielen Jahren Ernährungskurse, Einzelberatungen und hält Vorträge in Erwachsenenbildungsstätten und Krankenkassen, sowohl in Nord- als auch in Süddeutschland. |